Vom Nachzügler zum Pionier

Mit der Einrichtung einer zentralen Notrufleitstelle ist der Kreis Ludwigsburg spät dran. Doch das geplante Modell soll Vorbildcharakter für andere Landkreise habenVon Markus Klohr - Stuttgarter Nachrichten

 

Die Letzten werden die Ersten sein. Ludwigsburg ist der bevölkerungsstärkste Landkreis in der Region Stuttgart. Und der letzte, der eine integrierte Leitstelle für Notrufe einrichtet. Doch nach Ansicht der Kreisverwaltung wird Ludwigsburg die erste Leitstelle mit wirklich einheitlichen Strukturen auf den Weg bringen. „Nicht jede Leitstelle, die als integriert firmiert, ist auch integriert“, sagte der Landrat Rainer Haas. Im Technischen Ausschuss des Kreistags gab er gestern bekannt, dass Feuerwehr und Rotes Kreuz von September 2011an gemeinsam Anrufe unter der europaweit einheitlichen Nummer 112 entgegen nehmen werden. Standort für die Leitstelle sollen die Ludwigsburger DRK Zentrale in der Reuteallee sein. Ein Gutachten hatte den Standort als räumlich optimal und am kostengünstigsten eingestuft.

 

„Historisch einmalig im Land“

 

Für das Notrufnetz bedeutet das in erster Linie einen Gewinn an Zeit und Sicherheit. Momentan landen Anrufer, die 112 wählen, in der Leitzentrale der Feuerwehr. Wer keinen Brand melden will, wird zum Roten Kreuz durchgestellt. Das kann wertvolle Sekundenkosten. Zudem sind die beiden Zentralen nachts nur mit je einem Mitarbeiter besetzt. Falls diesem etwas zustoßen sollte, sind ebenfalls Verzögerungen möglich. Nun sollen tagsüber drei und nachts zwei Mitarbeiter Notrufe annehmen. Zudem muss künftig nur eine technische Ausstattung finanziert werden, die gemeinsam genützt wird. Für die Umstellung rechnet der Kreis mit Kosten von rund 550 000 Euro. Rotes Kreuz und Kreis zahlen jeweils die Hälfte. Die Personalkosten des Kreises für die Feuerwehrmitarbeiter werden auf rund 150 000 Euro pro Jahr geschätzt. Als „historisch einmalig in ganz Baden- Württemberg“ bezeichnete der Kreisbrandmeister Arnd Marquardt das nun geplante Modell. Zwar gebe es auf dem Papier bereits zahlreiche integrierte Leitstellen, diese seien aber oft nur gemeinsame Räume mit getrennter Technik für Feuerwehr und Rettungsdienst. Kreisrätin Margit Liepins (SPD) betont gestern die „politisch verhärteten Fronten“ während der Jahre währenden Diskussion. Das Rote Kreuz habe sich den Erfolg bei der Standortsuche teuer erkauft, weil die Leitstelle vor sechs Jahren auf eigene Kosten modernisiert worden sei. „Dadurch wurden Fakten geschaffen.“ Darüber sei er froh, sagte Grünen-Fraktionschef Daniel Renkonen: „Sonst müssten wir jetzt über ganz andere Summen sprechen“. Die Diskussion um die vermeintliche Selbstverständlichkeit hat eine kontroverse, rund zehn Jahre währende Vorgeschichte. Dass es nun so weit kommt, ist auch ein Verdienst des Gesetzgebers. Bis spätestens 2012 sind die Rettungskräfte dazu verpflichtet, gemeinsame Sache zu machen. Und seit Sommer 2009 gilt europaweit Die Notrufnummer 112, die Nummer für Rettungswagen 19 222 ist noch für Krankentransporte reserviert. Der Druck von oben hat nach Ansicht von Insidern dazu beigetragen, die Befindlichkeiten von DRK und Feuerwehr zu überwinden. 

 

Zähes Ringen um den Standort

 

Strittig war bis zuletzt der Standort. Keiner der beiden Rettungsdienste erklärte sich bereit, zum jeweils anderen zu ziehen - zu stark schienen die Bedenken, man könne dort als „Retter zweiter Klasse“ behandelt werden. Zusätzlich stellt sich bei der gemeinsamen Leitstelle ein Kompatibilitätsproblem. Die weit überwiegende Mehrheit der Notrufe sind an das Rote Kreuz gerichtet. Allerdings sind die Feuer-Notrufe deutlich komplexer in der Abwicklung, weil mehr Fahrzeuge und Fahrzeuge und mehr Hilfskräfte koordiniert werden müssen.